Haben Fahrschulen auf dem Land einen Standortvorteil?

28. September 2023

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Christian Kohler
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Je kleiner der Ort, um so wichtiger der Führerschein. Das geht aus einer TüV-Studie über Fahreignung und Führerschein-Erwerb hervor. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich großstädtische Fahrschulen Sorgen machen sollten.

Ob Stadt oder Land: Bei kaum einem anderen Thema ist sich die Bevölkerung so einig wie beim Führerschein. 92 Prozent aller Bundesbürger haben einen. Die Zahl wäre noch höher, wenn sich nicht manche wegen groben Verstößen oder ihres Alters von ihrer Lizenz hätten trennen müssen. Ein Unterschied fällt allerdings auf: die Differenz zwischen Stadt und Land. In kleinen Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern haben stolze 97 Prozent die Fahrerlaubnis. In den großen Metropolen mit über einer halben Million Einwohner sind es weniger, aber immer noch 86 Prozent. Diese Zahlen gehen aus der TÜV-Studie zu Führerschein und Fahrerlaubnis hervor, die vor Jahresfrist veröffentlicht wurde. 

Weil der Führerschein selbstverständlich ist

Die Gründe für das messbare Stadt-Land-Gefälle liegen auf der Hand: 75 Prozent der Landbevölkerung geben an, dass in ihrer Wohngegend vernünftige Alternativen zum Auto fehlen. In der Großstadt behaupten das nur 16 Prozent. 62 Prozent der Landbevölkerung sind auf Autos angewiesen, wenn es darum geht, zur Arbeit oder zur Ausbildungsstätte zu kommen. In der Großstadt behaupten das lediglich 33 Prozent. Die gute Botschaft für Fahrschulen in Stadt und Land: Die meisten Deutschen überlegen sich überhaupt nicht, warum sie einen Führerschein brauchen. Er gehört wie selbstverständlich zum Erwachsenwerden dazu. 80 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner auf dem Land gaben das in der entsprechenden Frage der TÜV-Studie zu Protokoll.

Teenies und Twenties

Quer durch Studie lässt sich feststellen, dass der Führerschein auf dem Land wichtiger genommen wird als in den Metropolen. Großstädtische Fahrschulen müssen sich trotzdem keine Sorgen machen. Einerseits wegen der schieren Masse der potentiellen Fahrschülerinnen und Fahrschüler. Anderseits weil andere Statistiken zeigen: Irgendwann wird der Führerschein doch gemacht. Schaut man auf das Alter, in dem die theoretische Fahrerlaubnisprüfung bestanden wird, haben im bundesweiten Ländervergleich die Stadtstaaten die ältesten Prüflinge. Während in vielen Flächenstaaten die Theorieprüfung durchschnittlich im Alter von 21 Jahren bestanden wird, liegt die vergleichbare Zahl in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen zwischen 24 und 25 Jahren. Das bedeutet: Auch in den Großstädten kommt die Jugend in die Fahrschulen, nur eben etwas später.

Standort und Marketing

Für die Fahrschulen als Unternehmen sind diese Befunde durchaus aufschlussreich. Auf dem Land bleibt der ideale Standort der Fahrschule und seiner Filialen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Dort sind die Mobilitätsalternativen rar. Die Kundschaft ist jünger. Das Empfehlungsmarketing bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor. In der Großstadt sehen die Dinge ein wenig anders aus. Hier ist die Mobilität auch ohne Auto gegeben. Darum sind neben dem Fahrschulstandort auch die Marketingmaßnahmen von überragender Bedeutung. Großstädtische Fahrschulen haben dementsprechend große Chancen. Ihr Einzugsrevier enthält mehr potentielle Fahrschüler, aber auch mehr Wettbewerber. Ob Stadt oder Land: Jede Zone hat ihre ganz speziellen Herausforderungen. 

Foto: Udo Schönewald