Jugend ohne Bargeld

Autor: Bernd Sautter

6. Juli 2023

Krass oldschool, so ein Portemonnaie mit Münzen und Scheinen. Bargeldloses Zahlen setzt sich durch. Sogar in Deutschland.

An ABBA Sänger Björn Ulvaeus liegt es nicht allein, dass Schweden bei bargeldlosem Bezahlen vorne rangiert. Ulvaeus hatte schon vor zehn Jahren ohne Bargeld gelebt. Nur für den Einkaufswagen im Supermarkt hätte er eine Münze gebraucht, gab er damals auf der Website des ABBA-Museums zu Protokoll. Das Museum hatte schon zu diesem Zeitpunkt die Bargeldkasse abgeschafft. Schweden hatte damals das mobile Bezahlsystem Swish eingeführt, maßgeblich angestoßen von den skandinavischen Großbanken SEB und Nordea. Heute erkennt man Touristen in ganz Skandinavien sehr schnell: am Versuch an Kassen mit Bargeld zu bezahlen. Die Einheimischen brauchen kein Bargeld mehr. Im ganzen Land finden sich nur noch 335 Bankautomaten. Norwegen, Finnland, Großbritannien und Holland verzeichnen eine ähnlich starke Nutzung von bargeldlosem Bezahlen.

Auch in Deutschland wird die Zukunft bargeldlos

Der Anteil der Bargeldzahlungen sinkt auch hierzulande. Die Kundschaft von Fahrschulen ist ganz vorn dabei. In der jungen Generation unter 30 Jahren bezahlen fast 60 Prozent bevorzugt mit Karte oder Smartphone. Das belegt eine Studie von Kantar Sifo im Auftrag des Zahlungsdienstleisters Nets Group. 40 Prozent dieser Altersgruppe glauben an eine komplett bargeldlose Gesellschaft. Sie sehen nicht ein, warum man mit Bargeld hantieren sollte, wenn es doch anders viel einfacher und schneller geht. Außerdem schalten sie das Risiko aus, dass das Bargeld knapp wird.

Bargeld-Zahlungen in Deutschland stark gesunken

Auch die Deutsche Bundesbank bestätigt diesen Trend. Zwischen 2017 und 2020 ist der Anteil an Barzahlungen stark gesunken. So steht es im jährlichen Bericht zum Zahlungsverhalten im Bundesgebiet. 4 von 10 Befragten geben an, dass sie bargeldloses Bezahlen zu bevorzugen. Sprunghaft an Beliebtheit gewonnen hat das Bezahlen mit dem Smartphone. Apple Pay liegt an deutschen Kassen vorne (38 Prozent der mobilen Bezahlströme). Dahinter folgen die Bezahl-Apps von Banken oder Sparkassen (25 Prozent) und Google Pay (18 Prozent)

Doch die Erhebung der Bundesbank weist auf eine kritische Zone hin. Trotz des Trends zu fortschrittlichen Bezahl-Apps der großen Tech-Riesen können sich 95 Prozent der Befragten nicht vorstellen, bei einem solchen Unternehmen ein Konto zu eröffnen. Die überwiegende Mehrheit vertraut in Sachen Kontoführung ihrer eigenen Hausbank oder Sparkasse. Die Seriosität des Zahlungsanbieters bleibt nach wie vor das herausragende Kriterium, wenn es um um große Geldbeträge und die Basis der eigenen Finanzen geht.

Foto: Thanks to Andrej Lisakow via Unsplash Plus

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